Geschichte unseres Hauses

Zurück aus 3 ½ Jahre sibirischer Gefangschaft meldet unser Vater Jakob Hartmann im Dezember 1948 sein Gewerbe als Klavierbaumeister in Bonn an. Die Werkstatt wird in der Schreinerei des Schwiegervaters eingerichtet, die ersten Klaviere werden mit dem Leiterwagen geliefert.

Die Nachkriegszeit ist Boomzeit für Kultur und das davon lebende Musikgewerbe. Bereits 1954 wird der Sprung in das eigene Wohngeschäftshaus an der Rheinbrücke geschafft; zu dieser Zeit das größte Geschäft für Klaviere und Flügel in Bonn. Zur Kundschaft gehört bald nicht nur Bonns Bürgerschaft sondern auch alle Regierungsstellen, Stadttheater, Beethovenhalle, Botschaften und Konzertveranstalter werden mit Klavieren und Flügeln beliefert. Jakob Hartmann hat zwei Söhne. Rudolf geb. 1951 und Berthold geb. 1955. Wir beiden werden, kaum dass wir laufen können von unserem Vater mit unserer Zukunft vertraut gemacht. Das Klavierbauhandwerk wird unser beruflicher Lebensinhalt. Unsere Lehrzeit haben wir in Braunschweig bei der Firma Grotrian-Steinweg verbracht, einer der besten und bekanntesten Klavierhersteller. Wir sind ausgebildete Klavierbauer und Konzertstimmer, erfahren in der Klavierfertigung der Industrieproduktion und der individuellen handwerklichen Reparatur und Sonderanfertigung. Rudolf Hartmann hat 1975 bei Steinway & Sons in Hamburg den Konzertdienst mit Schwerpunkt Klang-Intonation gelernt. Zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung wird in der Klavierfertigung der Firma Feurich ein Klavier komplett selbst entworfen und angefertigt. Die Meisterprüfung im Klavier- und Cembalobauhandwerk wird im November 1977 mit der Note „Gut“ abgelegt und bestanden.

Heute wird die Traditions-Firma von Berthold und Rudolf Hartmann geführt. Neben dem Verkauf von Klavieren und Flügeln bieten wir ein kleines Notensortiment speziell für Klavierspieler an. Schülerblockflöten und preiswerte Konzertgitarren halten wir vor allem für unsere junge Kundschaft bereit. Unsere Klavierbau-Werkstatt bietet alle Möglichkeiten der Reparatur, Renovierung und Sonderanfertigungen an. Im Außendienst stimmen und pflegen wir die Klaviere unserer Kunden, von denen wir viele schon seit über dreißig Jahren kennen.



Internationale Aktivitäten – seit über 50 Jahren


 

Palästina – Ramallah


(aus: AL-AYYAM Jerusalem, Freitag, 23.04.1999)

Übersetzung aus dem Arabischen:

Ramallah: Deutscher repariert zwei alte Pianos


Der deutsche Klavierbauer Rudolf Hartmann beendete kürzlich die Reparatur zweier alter Klaviere im Besitz der beiden Friends Schulen von Ramallah und El-Bireh. Hartmann wechselte dabei Teile beider aus den Jahren 1934 und 1963 stammenden Instrumente aus. Dies war möglich geworden durch die Initiative des deutschen Goethe-Instituts in Ramallah, die Finanzierung durch das deutsche Bundesland Hessen und in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Musikinstitut/Konservatorium.


Der Leiter des Goethe-Instituts, Wüst, wies darauf hin, dass der Gedanke, die beiden Klaviere zu reparieren, auf den Wunsch zurückgeht, das Musikleben in Ramallah zu beleben, und auf die Notwendigkeit, für Konzertabende neue Instrumente zu verwenden. Wüst erwartet, dass nach der Reparatur der beiden Instrumente die Gebühren, die beide Hallen zur Vermietung ihrer Musik-Instrumente erheben, gesenkt werden, und dass dies allen zugute kommt, die Musikabende veranstalten, zur weiteren Belebung des Musiklebens in Ramallah.


Es ist bekannt, dass bereits eine Reihe von Abenden klassischer Musik in den beiden Friends-Schulen in Ramallah und El-Bireh stattgefunden haben, zu denen professionelle Musiker eingeladen waren.


Erläuterung dazu: Bei den beiden Instrumenten handelt es sich um Konzertflügel von „Steinway & Sons“. Friends-Schulen sind Einrichtungen der christlichen Gemeinschaft Friends aus den USA bei uns auch bekannt als „Quäker“, die Unglaubliches leisten um zwei Schulen in Ramallah/Palästina zu unterhalten. Einer der beiden Steinway-Flügel wurde bisher von dem weltbekannten Musiker Barenboim für seine Völkerverständigungskonzerte in Palästina benutzt. Daher auch der Aufwand von deutscher Seite um derart den Friedensprozess zu befördern. Beide Flügel sind in bestem Zustand, wovon ich mich bei einer weiteren Reise 2004 überzeugen konnte.


Auch in Jerusalem gibt es eine von Franziskanern geleitete Musikschule, die Wert darauf legt Schüler aus allen Bevölkerungsteilen zu unterrichten. Auf eine größere finanzielle Unterstützung wird man dort aber noch lange warten müssen. Meine Hilfe ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein, Jerusalem liegt nicht gerade um die Ecke.



Indien - 2005

Unsere indischen Kollegen aus Bombay, Vater und Sohn Mistry. Sohn Ajay Mistry lernt zur Zeit Deutsch und wird, falls die Finanzierung klappt, demnächst in unserer Werkstatt und bei Grotrian-Steinweg seine Ausbildung abschließen.




Indien - 2007



Ajay Mistry aus Mumbai/Indien zur Ausbildung in Deutschland

Nach mehrwöchigen Fortbildungskursen bei Steinway & Sons in Hamburg und Grotrian-Steinweg in Braunschweig war Ajay Mistry für 4 Wochen unser Gast in Bonn. Wir trainierten Konzertstimmen und Gehörbildung, Intonation neuer Hammerköpfe und allgemeine Konzerttechnik. Nach dieser anstrengenden Deutschlandreise zählt Ajay Mistry sicherlich zu den besten Klaviertechnikern auf dem indischen Subkontient.